OHNE ZWEIFEL HAT TEXAS BEREITS UNSCHULDIGE MENSCHEN HINGERICHTET


Der texanische Todestraktinsasse Paul Colella hat vor kurzem seine Strafe auf zwanzig Jahre im Gefängnis reduziert bekommen. Da er bereits zwölf Jahre im Todestrakt von Texas war, wird er acht weitere Jahre im Gefängnis verbringen müssen, bis er freigelassen wird. Pauls Mutter erzählte mir vor kurzem, dass er froh ist aus dem Todestrakt herausgekommen zu sein, jedoch unglücklich, dass er eine zwanzigjährige Strafe für ein Verbrechen absitzen muss, dass er nicht begangen hat. Das ist die texanische Justiz: Hinrichtung wenn schuldig, 20 Jahre wenn unschuldig.

Colellas Unschuldsbehauptung wurde durch die Angestellte einer Busstation unterstützt, die aussagte, dass Colella zum Zeitpunkt des Verbrechens in Victoria war, 240 Meilen vom Tatort entfernt. Zwei Richter am Obersten Kriminalberufungsgericht von Texas glaubten an seine Unschuld. Das Gericht wies Colellas erste Berufung jedoch in seiner typischen Weise ab. Man darf nicht vergessen, dass dieses Gericht von einem Kolumnisten einer Zeitung in San Antonio der „beste Lynchmob der texanischen Geschichte“ genannt wurde.

Colellas rechtlicher Beistand während des Prozesses und der ersten Berufungen war extrem armselig. Das ist für jemanden in Texas ohne finanzielle Ressourcen eine typische Situation. Es gab außerdem Beweise für ein Fehlverhalten der Anklage (Unterdrückung wichtiger Informationen für die Verteidigung). Als es offensichtlich wurde, dass der Staat einen schwachen Fall gegen Colella hatte, wurde zwischen seinen Berufungsanwälten und dem Bezirksstaatsanwalt ein Handel abgeschlossen, um sein Todesurteil auf zwanzig Jahre zu reduzieren. Paul musste sich wegen nicht kapitalen Mordes schuldig bekennen, um die Strafe reduziert zu bekommen. Er wollte das nicht tun, doch es war die beste Möglichkeit.

Colellas Fall erinnert an andere Fälle, in denen Todestraktgefangene glücklich genug waren der Hinrichtung zu entgehen, als es offensichtlich wurde, dass sie unschuldig sind. Die Fälle von Randall Dale Adams, Clarence Brandley, Ricardo Aldape Guerra und Kerry Max Cook fallen einem ein und es gibt noch weitere. Todesstrafenbefürworter werden behaupten, dass die Freilassung dieser Männer zeigt, dass das System „funktioniert.“ Das Gegenteil ist wahr. Diese Fälle zeigen, dass das System schwer fehlerhaft ist.

Colellas Entlassung aus dem Todestrakt kam vor allem aufgrund der verzweifelten Anstrengungen seiner Familie, vor allem seiner Mutter, zu zeigen dass er unschuldig ist. Adams gewann das Interesse eines Filmemachers (The Thin Blue Line). Brandley hatte die Hilfe von Aktivisten aus Houston, die gegen seinen Fall protestierten. Guerra wurde durch die Intervention der mexikanischen Regierung geholfen, die half eine große Rechtsanwaltsfirma für seinen Fall zu gewinnen. All diese Personen bekamen letztendlich die Hilfe exzellenter texanischer Anwälte, die hart arbeiteten, um ihre Klienten aus dem Todestrakt zu befreien.

Colella, Adams, Brandley, Guerra und Cook sind die „Glücklichen,“ da sie der texanischen Hinrichtungsnadel entkommen sind. Andere mit starken Beweisen für Unschuld hatten nicht soviel Glück. Odell Barnes Jr. zum Beispiel wurde im Jahr 2000 hingerichtet. Ein Teil der Beweise, den die Anklage benutzte um Barnes Verurteilung zu erreichen, war ein Blutstropfen auf seiner Kleidung, der zum Blut des Opfers passte. Später, als dieser Blutstropfen von seinen Berufungsanwälten sorgfältig analysiert wurde, zeigte der Test, dass er durch eine Chemikalie verunreinigt worden war, die Blut in einer Probeflasche haltbar macht. In anderen Worten, das Blut war nicht während des Verbrechens direkt vom Opfer gekommen, sondern scheint auf Barnes Kleidung gegeben worden zu sein, um eine Verurteilung zu erreichen. Unglücklicherweise wurde dieser neue Beweis und andere Informationen, die auf Barnes Unschuld hinwiesen, von den Gerichten, der Gnadenkommission und dem Gouverneur ignoriert. Es erweckt den Eindruck, dass Barnes für ein Verbrechen hingerichtet wurde, das er nicht begangen hat.

Diese Fälle haben mich davon überzeugt, dass wir in Texas ohne Zweifel unschuldige Menschen hingerichtet haben. Die offensichtlichen Fehler im Todesstrafensystem des Staates rufen nach einer detaillierten Studie des Systems und einem Hinrichtungsmoratorium während die Studie durchgeführt wird und Verbesserungen gemacht werden. Wir können nur hoffen, dass die Bürger von Texas in der nächsten Periode Gerechtigkeit verlangen werden und die Gesetzesgeber zuhören.
 
Anmerkung: David Atwood ist ein Mitglied der Texas Coalition to Abolish the Death Penalty. Probleme mit dem Todesstrafensystem werden in einem Video namens “Balancing the Scales” beschrieben. Das Video kann bei Herrn Atwood unter 001-713-529-3826 bezogen werden. 
 
David Atwood
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