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SONDERBEILAGE


Die Hinrichtung meines Bruders Ronald Keith Allridge am 8. Juni 1995 löste eine Mischung von Gefühlen in mir aus. Einige habe ich nie ganz verstanden bzw. ich habe mir nie die Zeit genommen, mich damit auseinander zu setzen.

Ronnie war etwas Besonderes aus vielerlei Gründen für mich, aber er war auch etwas Besonderes für viele hier im Todestrakt, weil er der erste war, den viele von uns kannten, der sich weigerte, freiwillig die Beobachtungszelle direkt vor seiner Hinrichtung zu verlassen. Er sagte, dass er nicht bereit sei, selber in seinen Tod zu laufen. Und er tat es nicht. Er wollte die Autoritäten wissen lassen, dass es, wenn man einem Menschen gegen dessen Willen das Leben nimmt, Mord ist, ganz egal, wie man es rechtfertigt. Aber nicht viele beachteten Ronnies Widerstand.

Sechs Jahre und zwei Wochen später spielte sich eine ähnliche Szene ab. Aber diesmal schaute die ganze Welt zu. Jetzt war es Gary ("G.G.") Graham, der als Shaka Sankofa bekannt wurde.

Ich habe Berichte im Radio gehört und Artikel in den Zeitungen gelesen, und natürlich habe ich mit ihm in dieser Umgebung gelebt. Er kämpfte, als sie ihn von seiner regulären Zelle in die Überwachungszelle verlegten. Sie legten ihn rein, als er aus dem Besuchsraum kam, aber er kämpfte erneut, als sie ihn zu der Wall Unit brachten, wo er die Hinrichtung erwartete. Er kämpfte, als sie ihn auf der Hinrichtungspritsche festschnallten.

Ich hörte seinem geistlichen Berater, Herr Robert Muhammad, im Radio am Sonntag nach G.G.'s Hinrichtung zu. Herr Muhammad sagte, dass G.G. an die Pritsche geschnallt war. Sie hatten ihn nicht nur festgeschnallt, sondern er trug auch noch Handschellen. Sie hatten seinen Kopf mit schwarzen Riemen befestigt, denn selbst nachdem sie ihn mit den Handschellen unterworfen hatten, versuchte er sie trotzdem zu beißen.

Es wurde berichtet, dass ein Tuch seinen Körper bedeckte und Teile von seiner Papierkleidung , die er anlegen musste, waren sichtbar zerrissen und zerfetzt. Offensichtlich auch vom Kampf. Ich kann mir vorstellen, dass er gekämpft hat, als sie ihn physisch zu Boden drückten um ihn weiter dadurch zu erniedrigen, dass er seine gesamte Gefängniskleidung ablegen musste, ihm Windeln anzogen, damit, wenn sein Körper stirbt und sein Darm und seine Nieren ihren Inhalt entleeren, sie den Schmutz nicht aufwischen müssen, der sonst das Image ihrer sauberen , hygienischen und menschlichen Tötungsmaschinerie verzerrt.

Shaka war ein Kämpfer. Er kämpfte so lange, bis es nicht mehr ging. Er kämpfte. Er kämpfte, nicht so sehr um sein eigenes Leben zu retten, sondern für Gerechtigkeit in seinem Fall. Ich kann ehrlich sagen, dass ich G.G. letztlich als Kämpfer in Erinnerung behalten werde.

Ich hatte nie das Vergnügen Shaka Sankofa, den Mann, der G.G. geworden ist, zu treffen. Es sind 12 Jahre her, als wir zusammen waren, aber ich bewunderte ihn aus der Ferne. Ich bewunderte ihn für alle Dinge, die er tat, nicht für sich selbst, sondern für jedermann im Todestrakt. Ich bewunderte ihn für seine führende Rolle, die er auf sich nahm, wie es nur wenige getan hätten. Nicht um ein Star zu sein, sondern um die öffentliche Aufmerksamkeit auf die schreckliche Situation, verbunden mit der Texanischen Todesstrafe, zu lenken.

Als er dort sterbend lag, beteuerte er noch einmal seine Unschuld und wendete dann schnell seine Aufmerksamkeit uns zu, die wir zurückblieben. Er drängte uns den Kampf fortzuführen, damit ein Moratorium in Kraft tritt.

Ich muß Dir sagen, dass ich sehr müde bin hier zu sitzen und zu sehen, wie einer nach dem anderen von meinen Leuten, die ich kannte und liebte, getötet wird. Einige Tode treffen Dich mehr als andere. Wie ich schon sagte, berührte mich der Tod meines Bruders in vielerlei Hinsicht und er beschäftigt mich bis jetzt. Die Hinrichtung einer meiner besten Freunde , Glen McGinnis, hatte mich stark getroffen. Nun G.G. Es muss aufhören! Ganz einfach.

Mein Kampf drehte sich meistens darum, mein Leben zu retten, weil ich glaube, dass man nur jemand anderem helfen kann, wenn man sich zuerst selbst hilft. Und ich werde auch weiterhin meine eigenen Projekte verfolgen, auch wenn es manchmal entmutigend ist. Ich denke über G.G.'s Fall nach. Dieser Mann hatte starke Hinweise auf seine Unschuld. Er hatte eine Vielzahl von Unterstützung seitens der Politik, der Todesstrafengegner, religiösen und juristischen Gruppen und der Medien. Trotzdem wurde er durch dieses unbarmherzige System hingerichtet. Wenn diese große Zahl an Unterstützung und Beistand sein Leben nicht retten konnte, was hat der Rest von uns unter diesem System noch für eine Chance? Das System muß geändert werden.

Das Moratorium wird auf alle im Todestrakt Auswirkungen haben, deshalb bitte ich um Deine Hilfe. Im Augenblick weiß ich noch nicht, was ich genau unternehmen werde, aber ich weiß, dass ich etwas machen werde. Ich brauche Deine Hilfe und Deine Unterstützung. Alle anderen Neuigkeiten in meiner Zeitung sehen jetzt so überholt aus, aber ich hoffe trotzdem, dass Du Spaß dran hast.

Laß uns zusammenarbeiten. Wir müssen etwas unternehmen und zwar jetzt. Während Du das liest, werden schon wieder weitere hingerichtet worden sein. Dies ist wirklich ein Notstand.

Ich bin entschlossen.
James.